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Ägyptische Impressionen
Der
Tourismus nach Ägypten boomt. Und noch nie war man in den Zentren des
Besucherstroms so sicher wie heute. Das gilt auch für Luxor.Neben Kairo
mit seinen Pyramiden in Giza gibt es wohl keine Stadt auf dieser Welt, die
auf eine derart lange und interessante Geschichte zurückblicken kann.Seit
über 4000 Jahren pulsierendes Leben, davon fast 2000 Jahre als Mittelpunkt
des religiösen Alt-Ägyptens.In den letzten Jahren hat sich in
Luxor einiges geändert. Die abenteuerliche Autofähre mit ihren
ebenso abenteuerlichen Be- und Entlademanövern hat ihren Dienst quittiert.
Dafür führt rund 10 km südlich von Luxor eine neue Straßenbrücke
über den Nil, die den gesamten Verkehr aufnimmt.Geblieben sind die
pittoresken Personenfähren, die ständig zwischen Luxor-Ost und
Luxor-West verkehren. Wer während seines Aufenthaltes in dieser Stadt
nur die sterilen Touristenbusse bzw die meist etwas weniger sterilen Taxis
benutzt und nicht wenigstens einmal mit diesen Fähren, die der deutsche
TÜV wahrscheinlich schon vor 10 Jahren aus dem Verkehr gezogen hätte,
den Nil überquert hat, der war eigentlich nie richtig hier.
Sonst hat sich die Stadt Luxor ihre alte
Quirligkeit bewahrt. Die Kreuzfahrtschiffe, die den Nil von Luxor nach
Assuan und umgekehrt bereisen, legen noch immer an den Kais an.
Auch Mr. Aboudi, der kleine pfiffige Buchhändler, begrüsst uns
nach fünf Jahren Abwesenheit wie alte Freunde. Schliesslich stammen
eine ganze Reihe meiner Ägyptologie-Bücher aus seinen Regalen.Und
drüben auf der Westseite im Cafe Ramses schmeckt der Tee noch immer
wie früher und die Besitzer begrüssen uns mit herzlicher Freude.
Was macht eigentlich den immerwährenden
Reiz dieser Stadt aus?
Es ist die gelungene Komposition zwischen
sehr alt, alt und neu. Da sind einmal die Königsgräber auf der
Westseite im Tal der Könige. Ab dem Pharao Thotmes I. (griechisch
Thutmosis) wurden hier die Gräber für die verstorbenen Könige
angelegt, um ihnen ein würdiges Zuhause im Jenseits zu ermöglichen.
Eine spezielle Handwerker- und Arbeiter-Truppe aus dem jetzt Deir el Medina
genannten Ort war ausschliesslich für die Erstellung und Bearbeitung
der Nekropole zuständig.
Diese Arbeiter lebten abgeschieden, um nichts über die Gräber
verraten zu können. Und doch – die Grabräuber haben in den Zeiten
der Wirren und politischen Unsicherheiten, von denen auch das Alte Ägypten
nicht unverschont blieb, ganze Arbeit geleistet. Kein Grab enthielt noch
die unermesslichen Schätze und Kunstwerke, die der König als
Grabbeigabe für das Jenseits erhielt.
Bis auf eines: Das Grab von Tutanchamun,
des jungen Pharao, der offensichtlich den damaligen Machtintrigen in der
Nach-Echnaton-Zeit zum Opfer fiel. Im Jahr 1922 stand die archäologische
Welt – und nicht nur die – voll Staunen vor den durch glückliche
Umstände erhaltenen Grabschätzen. Dabei hat Tutanchamun nur
wenige Jahre regiert. Was an unermesslichen Schätzen muss erst das
Grab von Ramses II, dem Grossen, enthalten haben?
Im Ägyptischen Museum in Kairo sind die beispiellos prächtigen
Schätze aus dem Grab des jungen Pharao
zu bewundern.
Nicht allzuweit entfernt liegt das Tal der
Königinnen. Ein Höhepunkt ist die Bestatungsstätte der
Lieblingsfrau von Ramses II, von Nefertari. Das Grab wurde mit viel Mühe
restauriert und zeigt jetzt eine überwältigende Farbenpracht.
Nur max.150 Besucher dürfen pro Tag und das nur am Vormittag hinein,
die Kosten betragen rund 60, - DM und die Besuchszeit beträgt 10
Minuten. Es ist nicht einfach, Karten zu ergattern, da der Verkauf nur
am selben Tag stattfindet. Wir haben Glück, arabische Freunde stellen
sich morgens um 5.30 Uhr für uns an. Wir sind die letzten Besucher
an diesem Vormittag, so können wir das Farbenspiel fast eine halbe
Stunde bewundern. Bakschisch ist natürlich unabwendbar – ohne das
läuft in Ägypten nichts. Hinter uns schliessen sich die Tore
um Punkt 12 Uhr.
Luxor
ist auch die ursprüngliche Heimat des berühmten Pharao Echnaton,
fälschlicherweise auch als "Ketzer" apostrophiert. Noch
berühmter dürfte seine Grosse Königsgemahlin Nofretete
sein, deren wundervolle Gipsbüste im Berliner Museum steht.
Eine weitere Attraktion sind die Gräber
der Noblen oder Adligen. Eines der bekanntesten ist das Grab des Nacht,
berühmt durch das Bild der drei Musikantinnen, das ein einzigartiges
Meisterwerk altägyptischer Malkunst und Ästhetik darstellt.
Die gelungene Verknüpfung der drei Frauen zu einem Bild, ohne dass
eine von dreien ausgegliedert oder uneingebunden bleibt ist grossartig
gelungen s. oben). Sehenswert sind weiterhin das Grab des Ramose (die
filigrane Darstellung der Haarlocken ist unüberbietbar), das Grab
des Menena und das des Sennefer (bekannt als Grab mit der Weinlaube).
Der Leser möge nun nicht glauben, dass alles Sehenswerte von Luxor
unter der Erde liegt. Ganz im Gegenteil. Der Karnak-Tempel, dem Reichs-
und Hauptgott Amun geweiht, liegt am Ostufer des Nil. Zweifelsohne ist
er eines der gewaltigsten Bauwerke des Altertums. Von Thotmes I. über
Amenhotep III. bis zu Ramses II., ja bis in die Spätzeit der Ptolemäer
wurde an diesem Tempel gebaut.
Die riesige Säulenhalle, von Sethos I. begonnen und von seinem Sohn
Ramses II. vollendet, ist mit seiner Dreischiffigkeit ein Vorbild für
die spätere christliche Basilika gewesen.
Dem Besucher kann nur empfohlen werden, sich einmal in aller Ruhe auf
eine der Säulenbasen zu setzen, nach oben zu schauen und das Hehre
dieses Sakralbaus auf sich einwirken zu lassen. 134 Säulen, davon
erreichen die 12 Säulen des Mittelschiffs eine Höhe von 24 Metern
- eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Leistung!
Dreimal in der Woche findet am Abend die grossartige Licht- und Ton-Schau
statt, ein Ereignis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Wenn die
Stimme von Gerd Westphal aus dem Lautsprecher durch das abendliche Dunkel
auf den Betrachter strömt (... Ihr seid angekommen !), dann kann
man sich eines Schauers nicht ganz erwehren
Ein wenig weiter nilaufwärts steht der
Luxor-Tempel. Eine Reihe seiner Säulen sind mit ihren geschlossenen
Lotosblüten-Kapitellen und den Kanneluren-Schäften das Vorbild
für die griechischen ionischen Säulen gewesen. Bilder aus meiner
Schulzeit werden wieder wach: Im Kunstunterricht lernten wir damals an
Hand von Bildern von diesen Säulen, wie man es im Altertum verstand,
Ästhetik und Funktion unter einen Nenner zu bringen.
Was wäre ein Aufenthalt in Luxor ohne
ein Besuch des Tempels der Hatschsepsut.
Erstmals geschichtlich eindeutig belegt, schwingt sich eine kühne,
ideenreiche und phantasievolle Frau auf den sonst vom männlichen
Geschlecht usurpierten Horus-Thron.
Die Bauwerke, die unter ihre Aegide entstehen, sind zierlicher und femininer.
Sie organisiert eine Schiffsreise in das sagenumwobene Land Punt (wahrscheinlich
das heutige Eritrea und Somalia). Die Szenen dieser Reise sind akribisch
auf der Südostwand des Tempels dargestellt. Beachtenswert ist die
Darstellung der Häuptlingsfrau. Wie aus einem modernen Lehrbuch entnommen
sind der Fettsteiss der Frau sowie ihre lymphatisch geschwollenen Beine
reliefartig gezeichnet.Eindrucksvoll auch die Szene an der Nordostwand,
die ihre göttliche Herkunft von Amun und ihrer Mutter Ahmes beschreibt.
Das ist noch lange nicht alles. Es gibt noch
das Ramesseum, Medinet Habu, die sog. Memnon-Kolosse sowie den Totentempel
von Sethos I.
Doch für eine Beschreibung des Ortes
Luxor mag dieser Rundgang genügen. Auch wir sind etwas müde
und so bitten wir unseren Taxifahrer Ali I. (zum Unterschied von den vielen
anderen Taxifahrern mit Namen Ali), uns zum Hotel zurückzufahren.
Ausgangspunkt für unsere Exkursionen
ist immer wieder das Mövenpick Jolie Ville, eine Bungalow-Anlage
auf einer grossen Nilinsel, rund 5 km südlich von Luxor. Der stündlich
verkehrende Hotel-Shuttle-Bus sowie das viermal täglich fahrende
Mövenpick-Nilboot sorgen für die Verbindung nach Luxor.
Es ist eines meiner Lieblingshotels, denn es ist mehr als nur ein Hotel.
Es ist zugleich ein Botanischer Garten, ein Paradies für Vogelliebhaber
und eine Oase der Ruhe.
Mit Sicherheit gibt es weitaus luxuriösere Hotels als dieses, aber
keines auf der Welt liegt
an einer derartig geschichtlich eindrucksvollen und zugleich landschaftlich
schönen Stelle. Wenn abends der Sonnengott Re mit seiner Mannschaft
weit hinten im Land Amenti, dem Land des Westens oder des Schweigens,
untergeht, dann kann man den Alten Ägyptern nachfühlen, dass
es für sie keine Selbstverständlichkeit war, ob die Sonne am
nächsten Morgen wiedergeboren würde.
Der kulinarisch verwöhnte Gast kommt voll auf seine Kosten. Auch
die ägyptischen Weine haben zugelegt.
Ein herrlich fruchtiger Weisswein (Cru des Ptolemees) und ein hervorragender
Cabernet Sauvignon (Omar Khayyam) stellen jeden zufrieden.
Ein
Joggingpfad führt um die Insel, vier Tennisplätze sind zu bevölkern
und wer mehrmöchte, kann sich mit einem Kleinbus zum Golfen abholen
lassen. In rund 15 km Entfernung ist ein neuer 18-Loch-Platz in die Wüste
hineingebaut worden.
Ein Abschied aus diesem kleinen Paradies
ist immer mit etwas Wehmut gewürzt. Aber wir werden wiederkommen.
Inshallah.
Abbildungen:
1. Die drei Musikantinnen aus dem Grab des Nacht
2. Stele mit Echnaton bei der Verehrung von Aton
3. Nofretete - die Schöne, die da kommt (modifiziert von D. Volkmer)
Weitere lesenswerte
Literatur des Verfassers (Nähere Informationen unter www.drvolkmer.de
unter Literatur)
Die
Insel der Sappho – Ostägäische Impressionen
Ein Buch über eine liebenswerte Insel (es geht um die Insel Lesbos),
über ihre Geographie, ihre Geschichte, die Dichterin Sappho und über
Mythen und Geschichten
Erschienen bei Books on Demand, 2003, ISBN Preis 14.50 EUR
Abschied
vom Urknall – Thesen gegen das Unwahrscheinliche
In diesem Buch setzt sich der Autor mit den verschiedenen Theorien über
die Entstehung unseres Universum auseinander, mit den Schöpfungsmythen
der antiken Völker sowie der Schöpfungsgeschichte der Bibel
und versucht vor allem, den wissenschaftlichen Anspruch eines „Urknalls“
etwas in Frage zu stellen.
Erschienen bei Books on Demand, 2006, ISBN Preis 18.50 EUR
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